Die Arbeit mit Ölsticks (Colorsticks) auf Leinwand stellt
eine der anspruchsvollsten und dynamischsten Disziplinen der zeitgenössischen Malerei dar. Dieses außergewöhnliche Medium vereint die cremige
Textur und den feinen, edlen Glanz klassischer Ölfarbe mit der unmittelbaren, physischen Handhabung eines Stifts.
Es bildet eine faszinierende Brücke zwischen der malerischen Tiefe und der kompromisslosen Direktheit der Zeichnung.
Die Arbeit mit den Sticks erlaubt kein Zögern; sie verlangt vom Künstler einen schnellen, kraftvollen Strich und eine kompromisslose Entschlossenheit beim
Farbauftrag. Da die feste Farbhaut der Ölsticks beim Malen einen spürbaren, intensiven Widerstand auf der Leinwand erzeugt, wird der Akt des Malens selbst
zu einer physischen Performance – einer zeichnerischen Choreografie, die vollen
körperlichen Einsatz fordert.
In diesem hochgradig prozessualen Arbeiten liegt eine immense gestalterische Spannung: Es erfordert eine präzise
Spontaneität. Da
die Farben direkt und pastos aufgetragen werden, verzeiht das Medium keine Fehler. Ein einziger falscher, unbedachter oder zu kräftiger Strich kann das gesamte, fein austarierte Gefüge einer
monumentalen Komposition zerstören.
Das Ergebnis auf der Leinwand ist pure, festgehaltene Energie. Die pastosen, vibrierenden Linien zeugen unmittelbar von
der Dynamik ihrer Entstehung und machen den kreativen Entstehungsprozess für den Betrachter hautnah spürbar. Die Arbeit mit Ölsticks ist somit weit mehr als
das bloße Auftragen von Pigmenten – sie ist die physische Manifestation eines inneren Tanzes auf der Leinwand.
„Das Malen mit dem Ölstick ist eine zeichnerische Choreografie auf Leben und Tod – ein einziger falscher Strich kann das gesamte Gefüge
zerstören.“ In der Reibung und dem spürbaren Widerstand des zähen Ölsticks auf der Leinwand verwandelt sich die Leinwand in eine Bühne der Selbstbehauptung.Jede Linie ist pure, festgehaltene Energie; jeder Farbausbruch ein dionysisches Ja zum Leben.
— Torsten Russ