Die künstlerische Methodik dieser Werkgruppe steht in der Tradition der europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts und knüpft an fundamentale Diskurse der Modernepositionen an. Insbesondere die Prinzipien der Konkreten Kunst und des russischen Konstruktivismus bilden das theoretische Fundament, auf dem die bildnerische Logik aufbaut. Wie in den historischen Arbeiten von Sophie Taeuber-Arp wird die Form nicht als Abbild einer äußeren Realität verstanden, sondern als autonome, konkrete Realität aus Linie, Fläche und Farbe.
In der Nachfolge des avantgardistischen Objekts erfährt der Malgrund hier eine Re-Materialisierung. Anstatt die Leinwand durch eine dichte Grundierung zu neutralisieren, wird die sichtbare Faserstruktur zum ästhetischen Äquivalent der aufgetragenen Pigmente erhoben. Dieser Ansatz verbindet die konstruktive Klarheit des Bauhauses mit dem Materialbewusstsein des Minimalismus, bei dem das Wechselspiel von Textur, Farbdichte und Aussparung den Raum definiert.
Die bewusste Beschränkung auf wenige Grundformen – Kreis, Quadrat, Diagonale und Rechtwinkel – erzeugt eine Reduktion, die den Blick auf das Gleichgewicht von Masse, Gravitation und optischem Gewicht lenkt. Der vereinzelt eingesetzte gestische Farbauftrag in Werk 1 erweitert dieses konstruktive Vokabular um eine fernöstlich anmutende Komponente, die an die Tradition der Ensō-Kaligraphie erinnert und die Perfektion der geometrischen Form mit der Imperfektion des menschlichen Akts konfrontiert.